Тема 9. послевоенное развитие Германии
В 1945-1949 ГОДАХ


Nachkriegsentwicklung Deutschlands
in den Jahren 1945-1949

Brandenburger Tor, Juni 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Währungsreform von 1948 herrschte in Deutschland eine heute kaum mehr vorstellbare Not. Die Zentren der deutschen Großstädte waren zu großen Teilen zerstört. Die Menschen hausten in Kellern und Notunterkünften. Der Verkehr stand still. Die Lebensmittel waren knapp. Für Millionen von KZ-Häftlingen, Zwangsverschleppten und ausländischen Kriegsgefangenen hatte mit dem Kriegsende die Stunde der Befreiung geschlagen. Jeder dritte Deutsche war in dieser Zeit irgendwo unterwegs. Die Suchanzeigen waren bis weit in die 50er Jahre die tägliche Lektüre von Tausenden. Zum Elend der Einheimischen kam Not der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten, die zu Hunderttausenden eintrafen – zumeist Frauen und Kinder, die oft nicht mehr bei sich hatten, als in einen Rucksack oder in einen Handkarren passte. Rund zwölf Millionen Wehrmachtsangehörige und Zivilisten waren in Gefangenschaft geraten. Im Hinblick auf diese Situation wird häufig das Wort „Stunde Null" gebraucht. Die Gesellschaft war vom Verlust aller Traditionen und Wertvorstellungen gekennzeichnet, man stand vor dem Nichts, die Deutschen schienen in ihrer Geschichte an einem Nullpunkt zu sein. Die Wendung enthält auch die Chance einer Neuorientierung. In diesem Wort trafen sich die Hoffnungen der Opfer wie auch der Täter. So bezeichnete der erste Bundespräsident Theodor Heuss den 8. Mai 1945 als einen Tag tiefer Paradoxie, „weil wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind".

Die Versorgung hatte sich gegenüber der Kriegszeit noch weiter verschlechtert. Amerikanische CARE-Pakete halfen besonders Familien mit Kindern, die größte Not zu lindern. Die Reichsmark war als Zahlungsmittel untauglich geworden, denn der enormen Geldmenge stand kein nennenswertes Warenangebot gegenüber. Infolgedessen entwickelte sich ein reges Tauschgeschäft mit Tabakwaren, der sogenannten Zigarettenwährung.

Trümmerfrauen

Die Zerstörung der deutschen Industrie erwies sich als nicht so gravierend, wie man nach dem Zusammenbruch hätte vermuten können: nur 17% aller Produktionsstätten waren vollkommen zerstört, und so konnte die Produktion vielerorts bereits kurz nach dem Krieg wieder aufgenommen werden.

Gemäß den Vereinbarungen der Jalta-Konferenz (Februar 1945) verkündete die Berliner Viermächteerklärung vom 5. Juni 1945 die „Übernahme der obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands" durch die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich, die Einteilung in vier Besatzungszonen und die Bildung des Alliierten Kontrollrats als oberstes Organ der Regierung in Deutschland durch die vier Siegermächte. Berlin bildete eine besondere Einheit unter Viermächteverwaltung.

Zur Regelung der durch das Kriegsende in Europa entstandenen Fragen tagte vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 eine letzte Gipfelkonferenz der „Großen Drei" in Potsdam auf Schloss Cäcilienhof. Die Delegationsleiter waren der neue amerikanische Präsident Harry Truman, der sowjetische Generalissimus Josef Stalin und der britische Premierminister Winston Churchill, der während der Konferenz die Unterhauswahlen verlor und durch Labourführer Clement Attlee ersetzt wurde.

Potsdamer Konferenz, Gruppenbild.
Sitzend von links nach rechts: der britische Premierminister Attlee, US-
Präsident Truman und der sowjetische Generalissimus Stalin

Die Grundlinien der alliierten Deutschlandpolitik legte das Potsdamer Abkommen am 2. August 1945 fest:

1)die Einrichtung eines „Alliierten Kontrollrats";

2)Ostgrenze Deutschlands wird Oder-Neiße-Linie;

3)„früher deutsche" Gebiete kommen unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung (Königsberg und der Nordteil Ostpreußens wurden der Sowjetunion; das übrige Ostdeutschland bis zur Oder-Neiße-Linie Polen zur Verwaltung übergeben);

4)„Überführung" der Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland in „ordnungsgemäßer und humaner Weise";

5)wirtschaftliche und politische Entflechtung (Demokratisierung), vollständige Entmilitarisierung;

6)Bestrafung führender Nazis;

7)Reparationen wurden festgelegt. Die UdSSR besteht zusätzlich auf 25 % der demontierten Industrieanlagen im Westen.

Territoriale Bestimmungen der Potsdamer Konferenz

Bei aller Einigung zeigten sich in Potsdam die ersten erheblichen Differenzen, da sich die jeweiligen Machtinteressen nur schwer verbinden ließen. Ohne große Debatten nahm die Konferenz einen amerikanischen Vorschlag über die gemeinsame Politik gegenüber Deutschland an, das „4-D-Programm": Demilitarisierung, Denazifizierung, Dezentralisierung und Deindustrialisierung. Deutschland sollte weiterhin eine Wirtschaftseinheit bilden. Den Deutschen sollte die Bildung demokratischer Parteien und freier Gewerkschaften erlaubt sowie Presse- und Versammlungsfreiheit gewährt werden.

Die Oberbefehlshaber der vier Zonen bildeten den Alliierten Kontrollrat. Der Kontrollrat wurde zur obersten Regierungsinstanz in Deutschland. Die vier alliierten Oberbefehlshaber Dwight Eisenhower, Georgi Schukow, Bernard Montgomery und Jean-Joseph de Lattre de Tassigny mussten gemeinsam über Deutschland entscheiden. Unter der Oberleitung des Kontrollrats sollten deutsche Zentralverwaltungen entstehen, aus denen später deutsche Ministerien hätten hervorgehen können. Berlin erhielt Sonderstatus (wurde in 4 Sektoren eingeteilt) und ist der Sitz des Kontrollrates. Der Kontrollrat erließ Gesetze (Kontrollratsgesetze), Befehle, Direktiven u.a. für alle Besatzungszonen in Deutschland. Die Entscheidungen des Kontrollrats mussten einstimmig sein. Jeder Oberbefehlshaber konnte die Weisungen des Alliierten Kontrollrates nach seinem Ermessen ausführen. Vor dem Hintergrund des beginnenden Ost-West-Konfliktes verließ der UdSSR-Vertreter am 20. März 1948 den Kontrollrat, der danach nicht mehr zusammentrat.

Eine schwere Belastung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau stellten vor allem in den ersten Nachkriegsjahren Reparationen und Demontagen dar. Die Folgen von Flucht und Vertreibung Deutscher aus den deutschen Ostgebieten sowie aus Osteuropa waren weittragende Probleme der Eingliederung in die westdeutsche Gesellschaft auf.

Fluchtwellen

14 Millionen Deutsche verließen Ende 1944 ihre Heimat, wurden deportiert oder in die Flucht geschlagen. In unzähligen Trecks drängten Flüchtlingsströme aus den ehemaligen deutschen Gebieten Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und Schlesien in den Westen. Schlecht ausgerüstet, ohne ausreichende Lebensmittel und den militärischen Kräften schutzlos ausgeliefert, begaben sich die Deutschen quer durch das zerstörte Land.

Dem Potsdamer Abkommen gemäß leiteten die Siegermächte zur Bestrafung der Verantwortlichen und zur Ausschaltung eines Fortlebens des Nationalsozialismus die Nürnberger Prozesse sowie Entnazifizierung und Reeducation ein.

Die Angeklagten im
„Nürnberger Prozess“

Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher von November 1945 bis August 1946 wurde von den Alliierten gemeinsam durchgeführt. Der Prozess in Nürnberg ist unter dem Namen Internationaler Militärtribunal bekannt. Hier waren nicht nur die ehemaligen Führer des deutschen Militärs, sondern auch die höchsten Repräsentanten der Partei und des Staatsapparats als Hauptkriegsverbrecher angeklagt. Vier Straftatbestände wurden dem kommenden Verfahren zugrunde gelegt, die allesamt noch niemals vorher vor Gericht verhandelt worden waren: 1) Verschwörung gegen den Frieden, 2) Verbrechen gegen den Frieden, 3) Kriegsverbrechen und 4) Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Abgeurteilt wurde im Namen der Vereinten Nationen. Das war der Prozess gegen 24 Repräsentanten der NSDAP. Fast alle Angeklagten antworteten auf die Fragen nach Schuld oder Unschuld mit „unschuldig". Trotzdem wurden 12 Todesurteile und weitere hohe Freiheitsstrafe verhängt, 3 Angeklagte wurden freigesprochen.

Nach diesem Prozess wurden die NSDAP, die SS, die Gestapo zu verbrecherischen Organisationen erklärt und verboten, aber zahlreiche Parteigänger der NSDAP behielten weiter hohe Positionen im Unternehmen, Forschung und Verwaltung.

In den Kriegsverbrecherprozessen wurden überwiegend die „kleinen Füchse" verurteilt: Von 5288 Urteilen richteten sich bis 1950 nur 100 gegen Tötungsdelikte aus der Nazizeit.

Die unterschiedlichen Ziele der Siegermächte, die schon auf der Potsdamer Konferenz sichtbar waren, führten zu politischen Gegensätzen unter den Alliierten. Eine Einigung über Deutschland schien nicht mehr möglich. Bestimmend wurde der sich verschärfende Ost-West-Gegensatz, der in den Kalten Krieg mündete und ab 1945 zur Entstehung zweier getrennter sozioökonomischer Systeme in der sowjetischen und in den westlichen Einflusssphären (Besatzungszonen) führte. Er verhinderte auch ein einheitliches deutschlandpolitisches Konzept der Alliierten.

Die Siegermächte ließen schon bald in allen Besatzungszonen die Bildung neuer bzw. die Reorganisation alter demokratischer Parteien zu. In der sowjetischen Besatzungszone bildeten die neuen Parteien (SPD, CDU, Liberaldemokratische Partei) einen „Antifaschistischen Block" unter der Führung der KPD. Im Jahre 1946 vollzog sich die Vereinigung von SPD und KPD zur SED. In den Westzonen bildeten sich neben kleineren 2 große Parteien heraus: SPD und CDU (CSU).

Bald legten jede Siegermächte das Potsdamer Abkommen nach ihren eigenen Interessen aus. Die wachsende Ost-West-Spannung verhinderte den Aufbau einer gesamtdeutschen Verwaltung. Am 2. Juni 1948 veröffentlichten die Westmächte die „Londoner Empfehlungen", die die Bildung eines westdeutschen separaten Staates vorsahen.

Unter dem Eindruck der schlechten wirtschaftlichen Lage und der zunehmenden Spannungen mit der UdSSR entschlossen sich die USA und Großbritannien, der wirtschaftlichen Gesundung ihrer Zonen den Vorrang einzuräumen. Als erster Schritt wurden beide Gebiete am 1. Januar 1947 zur sogenannten Bizone zusammengelegt. Als zweiter Schritt folgte im Juni 1947 die Verkündung eines wirtschaftlichen Hilfsprogramms für Europa (Marshallplan) durch den amerikanischen Außenminister Marshall, in das auch die drei Westzonen einbezogen wurden. Der dritte Schritt war die Währungsreform vom 20. Juni 1948, mit der die nahezu wertlos gewordene Reichsmark durch die neue Deutsche Mark abgelöst wurde. Sie wurde zugleich von einer weitgehenden Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung begleitet. Am 20. Juni 1948 verkündete Ludwig Erhard, der Direktor für Wirtschaft in der Trizonenverwaltung, eigenmächtig ohne Zustimmung der Besatzungsmächte die weitgehende Aufhebung der Bewirtschaftung und Preisbindung. Über Nacht wurde nun plötzlich in den Geschäften alles, was bisher gesetzwidrig zurückgehalten worden war, angeboten; der Schwarzmarkt verschwand spurlos.

die neue Währung, 20.06.1948

Alle drei Schritte förderten nicht nur den wirtschaftliche Aufschwung in den Westzonen, sondern brachten auch eine Vorentscheidung zugunsten der von Ludwig Erhard propagierten marktwirtschaftlichen Politik. Sie spalteten auch Berlin, indem die Westmächte am 23. Juni 1948 die Separatwährung in den westlichen Sektoren einführten. Die Sowjets nahmen diese Währungsreform am 24. Juni 1948 zum Anlass einer Blockade aller Land- und Wasserverbindungen nach Berlin-West. Die Westmächte antworteten mit der Luftbrücke: Elf Monate lang, bis zum 12. Mai 1949, wurde die Zwei-Millionen-Stadt vollständig auf diesem Wege mit „Rosinenbombern" versorgt. Die sowjetische Besatzungsmacht führte in ihrer Zone am 21. Juni 1948 ebenfalls eine Währungsreform durch.

 

 

drei Luftkorridore nach Berlin während der Berlinblockade

Es wurden weitere Schritte zur Spaltung Deutschlands unternommen. Am 1. August 1948 erfolgte die wirtschaftliche Angliederung der französischen Besatzungszone an die Bizone. Am 8. April 1949 kam es zum Zusammenschluss mit der französischen Besatzungszone (Trizone).

Am 1. September 1948 trat der sogenannte „Parlamentarische Rat" zusammen, der sich aus Vertretern der Länderparlamente zusammensetzte und für den westdeutschen Staat eine Verfassung ausarbeiten sollte. Der Präsident des Parlamentarischen Rates war K. Adenauer. Am 8. Mai 1949 wurde vom „Parlamentarischen Rat" das Grundgesetz für die BRD ausgearbeitet. Und am 23. Mai 1949 trat auf Befehl der Besatzungsmächte das Grundgesetz in Kraft. Ursprünglich dachte man, das Grundgesetz solle nicht dauerhaft und eben nur für die westlichen Besatzungszonen gültig sein. Deshalb bezeichnete man es auch nicht als Verfassung, sondern „nur" als Grundgesetz.

Bei der Wahl zum ersten Deutschen Bundestag gewann die CDU/CSU mit 31 % der Stimmen vor der SPD, die 29,1 % der Stimmen erreichte. Die FDP erhielt 11,9 % der Wählerstimmen. So bildeten die CDU/CSU mit der FDP und einer Partei namens DP (Deutsche Partei) die erste Regierungskoalition der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Konstituierung am 7. September 1949 des westdeutschen Bundesstaates und Bundesrates vollendeten die Westmächte die Spaltung Deutschlands. Am 20. September 1949 wurde Konrad Adenauer vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. So wurde aus 3 westlichen Besatzungszonen ein separater westdeutscher Staat mit der Hauptstadt Bonn gebildet.

07.10.1949: Konstituierende Sitzung der
Provisorischen Volkskammer

Auf Gründung und Ausbau der Bizone antwortete die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) im Dezember 1947 mit dem „Deutschen Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden", der als verfassunggebende Körperschaft den Deutschen Volksrat im März 1948 bildete. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission am 14. Juni 1947 war in der sowjetischen Besatzungszone bereits ein zentrales Exekutivorgan geschaffen worden.

Am 7. Oktober 1949 fand in Berlin die Tagung des Deutschen Volksrates statt. Der Deutsche Volksrat konstituierte sich zur Volkskammer und proklamierte die DDR am 7. Oktober 1949. Zugleich wurde die vom III. Volkskongress angenommene Verfassung in Kraft gesetzt.

Mit der Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik im Mai und der DDR-Verfassung im Oktober 1949 war die Konstituierung zweier Staaten in Deutschland noch keineswegs abgeschlossen. Im Westen fiel eine wesentliche Vorentscheidung über den künftigen politischen Kurs mit der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 zusammen, in der eine „bürgerliche Koalition" aus CDU/CSU, FDP und Deutscher Partei eine knappe Mehrheit erreichte. Im Inneren wurde die Politik der Sozialen Marktwirtschaft fortgesetzt, nach außen erstrebte Bundeskanzler Adenauer die völlige Gleichberechtigung der Bundesrepublik im Rahmen des westlichen Bündnissystems.

Im Osten wurde unter dem Deckmantel eines formal weiter bestehenden Mehrheitsparteisystems immer deutlicher das sowjetische Modell auf die DDR übertragen. Jede Form der Opposition wurde unterdrückt. Wirtschaftlich setzte sich unter der Parole „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen" eine einseitige Ausrichtung auf die Schwerindustrie durch. Das alles verbesserte wenig die Lebensverhältnisse der Bevölkerung.

So wurde Deutschland für lange Jahre gespaltet. Die Entwicklung von beiden deutschen Staaten nahm sehr unterschiedlichen Lauf. In der DDR setzte sich ein Volksstaat bei der führenden Rolle der Arbeiterklasse, geleitet von ihrer marxistischen Partei, durch, die die Diktatur des Proletariats als die höchste Form der Demokratie in einer Klassengesellschaft absah. Die ökonomische Basis sollte das Gemeineigentum an Produktionsmitteln (einschließlich der Grund und Boden), die Wirtschaftsstrategie – eine Planwirtschaft sein. Die BRD entwickelte sich zu einer parlamentarischen bürgerlichen Demokratie. Zur vorherrschenden Wirtschaftsform wurde die freie Marktwirtschaft auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln.

Verlauf der innerdeutschen Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR
und Grenze zwischen den Westsektoren Berlins und der DDR